Vernissage: Harald Zylka – Triggers

Vielen Dank an alle, die zur Vernissage gekommen sind!

Hier nochmals die Rede:

Der Zusammenhang zwischen großformatigen Porträts junger Damen und einem Steinkopf und dem Ausstellungsname offenbarte sich mir nicht sofort, auch nicht unsofort. Wikipedia, mein alter Freund, erklärte mir, es handele sich bei dem englischen Begriff trigger um entweder Abzug – wie bei einem Gewehr – oder Auslöser. Oder auch einen Schlüsselreiz: Unter Trigger versteht man Sinneseindrücke, die Erinnerungen an alte Erfahrungen in einer Art wecken, als ob diese Erfahrung jetzt nochmal neu gemacht werden würde. Diese Erinnerung erfolgt meist plötzlich und mit großer Wucht. Die damaligen Gefühle werden unmittelbar erlebt – Flashback nennen das Fachleute. Besonders beliebt sind Flashbacks bei Drogenfreunden. Der sogenannte Echorausch ist der kostenlose Nachschlag in der Kantine der Bewusstseinserweiterung. LSD und Mescalin stehen dort ganz oben auf der Speisekarte. Halluzinationen machen das subjektive Leben bunter und entrücken die Realität des Konsumenten zunehmend der Realitäten der anderen. Vorausgesetzt, man hängt nicht dem Glauben an, es gäbe nur eine Realität, die Maßstab einer allgemein gültigen Wahrheit sei. Das Entrücken der Realität verringert die Schnittmenge der eigenen Wirklichkeit mit der der anderen und vergrößert somit den Raum des als unwahr Empfundenen, den Raum außerhalb der Schnittmenge, den von mir so genannten Lügenraum.

Allgemein anerkannt: Lügen haben kurze Beine. Gegen kurze Beine ist kein Kraut gewachsen, es gibt jedoch findige Tricks. Auf der Webseite von Bild der Frau werden dunkle Strümpfe mit hellen Feinstreifen, gerade geschnittene Hosen mit Längsstreifen, schmalem lange Röhrenjeans – niemals umgekrempelt! – und natürlich hohe Absätze empfohlen. Also Obacht: Lügen tarnen sich gerne längsgestreift, die Wahrheit verträgt auch Querstreifen. Karierte Kleidung scheint ideal für Menschen zu sein, die gerne in einer Melange aus Wahrheit und Lüge leben, streifenloser Uni-Look ist das Erkennungszeichen jener, die ein Mysterium aus dem Ausmaß ihrer Wahrheitsliebe machen. Besonders mutwillige und findige Lugenbeutel verzichten bewusst auf beinverlängernde Tricks aus der Garderobe und behaupten einfach einen langen Oberkörper zu haben. Längs gestreifte Sträflingskleider sollten wohl den Delinquenten zu erhöhter Wahrheitsliebe verhelfen. Das Prinzip der modischen Rehabilitation hat sich wohl nicht ganz durchgesetzt, sollte jedoch nochmals überdacht werden.

Fliegen haben auch kurze Beine – sechs an der Zahl – und keine Möglichkeit, diese mit hohen Pumps zu kaschieren. Des weiteren werden sie von Teufeln in der Not verspeist und paarweise mit einer Klappe erschlagen. Das hört sich schlimm an und ist es auch. Das kurze Leben einer Fliege ist kein leichtes. Vermehrt sie sich ungestört, wird sie jedoch zur Plage anderer Tiere. Während Kuh und Pferd mit Schwanz und Schweif die lästigen Zweiflügler vertreiben können, ist das dem gemeinen Hausschwein nicht vergönnt.

Das Schwein dient nicht nur als Lieferant von Schnitzel und Wurst, auf ihm gedeihen auch Borstenhaare, steife Deckhaare mit gespaltener Spitze. Gekämmt, mit Alaunwasser gewaschen und gebleicht werden sie zu Pinseln gebündelt, welche Harald Zylka zum Auftrag der Farbe auf die Leinwand nutzt. Der Effekt dieser Technik ist in dieser Ausstellung zu beobachten.

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